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10.7.2026 Wenn ich beim Spaziergang meine Nase in den Wind halte, sehe ich immer öfter Kumpels, die mit einem komischen Ding im Gesicht rumlaufen. Ein Gitter direkt vor der Schnauze. Ganz schön seltsam, oder? Einerseits ist es ja gut, dass Menschen Verantwortung übernehmen. Schutz muss sein, wenn Hunde vor lauter Unsicherheit, Angst oder aus Größenwahn zuschnappen. Ihre Besitzer sorgen dafür, dass weder andere Zweibeiner noch wir Vierbeiner bei unseren Treffen verletzt werden. Tierheim-Hunde werden von ihren Betreuern oft mit Maulkorb ausgeführt, sicherheitshalber. Hunde, die als gefährlich eingestuft werden, können so ein Gitterding verordnet bekommen. Ein Hund mit Maulkorb sieht immer gefährlich aus. Da macht jeder einen großen Bogen – aus Angst, dass solch ein Hund wütend in die Leine springt und einem zu nahe kommt. Die Menschen sagen dann immer ganz schlau: „Ein Maulkorb gibt dem Hund Freiheit, weil er damit überhaupt erst raus darf!“ Aber mal ehrlich: Freiheit?! Mit einem Metall- oder Plastikkorb vor der Nase, mit dem ein Hund nicht mal ordentlich schnuppern kann?! Das würde sich für mich nicht nach Freiheit anfühlen. Ich glaube, dass viele Hunde unnötig unter einem Maulkorb leiden müssen, weil das für ihre Menschen bequemer ist, als ihre Vierbeiner gut zu erziehen. Wenn sie ihm dann zum Fressen den Maulkorb abnehmen müssen, bekommen sie in den paar Minuten der Schnauzenfreiheit von Tag zu Tag mehr Angst, dass „was passiert“.
Jeder
Hund kann beißen. Ich auch! Wenn mich ein anderer Hund blöd anmacht oder mich angreifen will, würde ich ihm zeigen, dass ich 42 Waffen in der Schnauze habe. Verteidigung muss immer erlaubt sein. Aber deshalb mache ich meine Spaziergänge noch lange nicht mit so einem Korb im Gesicht. Ich habe nämlich gelernt, wie man höflich Hallo sagt und dass man nicht jeden Hund, der kommt, sofort herausfordern muss. Ich bin eben ein fröhlicher, friedlicher Typ und will keinen Streit. Erst wenn mir der andere so richtig dumm kommt, belle ich ihm meine Meinung – aber schön sicher an meiner Leine. Frauchen und ich können nur hoffen, dass Zweibeiner mit angriffslustigen Hunden aufpassen und dass sie ihre schlecht erzogenen Rabauken wenigstens immer gut an der Leine festhalten. Auch: festhalten können, ohne dass sie die Leine um einen Laternenpfahl schlingen müssen. Meistens ist ja kein Laternenpfahl da. Wir haben auch schon gesehen, dass eine Lederleine von einem wütenden Hund gerissen ist. Toby lernt gerade „Hinter mich!“ Er soll hinter Frauchen gehen und sich da hinsetzen, wenn ein anderer Hund kommt. Da ist er sicher und da wird er auch nicht so leicht auf die Idee kommen, vorbeikommende Leinenzerrer anzubellen. ~ ~ ~
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„Verpasst
dem kleinen Giftzwerg doch einen Maulkorb!“, riet uns jemand, damit zwischen Toby und mir endlich Frieden ist. Das wäre aber kein Frieden. Das wäre so, wie wenn jemand einem Zweibeiner Fesseln anlegen würde. Oder wie bei der Maskenpflicht bei der „C-Seuche“: Freiheitsberaubung. Wohlgefühlt hat sich damit keiner. Ein Hund würde dadurch nicht lernen, dass er friedlich sein soll. Er bekäme nur Panik, wenn sein Kumpel (also ich) ihn als Angreifer in die Schranken weist und unterwirft, ohne dass er sich wehren könnte. Panik ist Todesangst – und die bleibt, wann immer der Maulkorbträger seinen überlegenen Kumpel sieht. Er wäre mit Maulkorb dauerhaft unglücklich und würde auch noch das Vertrauen in die Menschen verlieren, die ihm das Ding verpasst haben. Deshalb sagen Herrchen und Frauchen: „Maulkorb kommt nicht in Frage!“ Sie wollen uns das nicht antun – ja: uns, denn auch ich müsste einen Maulkorb tragen, weil ich dem Knurr-und-Bell-Toby seine Attacken nicht durchgehen lassen und ihn packen würde. Ein Blick von mir genügt, schon fühlt er sich herausgefordert und bläst zum Angriff. Deshalb muss er noch hinterm Türgitter bleiben, da kann er mich nicht erreichen. Entweder Herrchen oder Frauchen ist immer bei einem von uns, keiner wird weggesperrt. Sie wollen den sanften Weg mit uns gehen: Annäherung – egal, wie lange das dauert, und egal, wie viele Rückschläge es vielleicht noch geben wird. Toby ist nämlich überhaupt kein Giftzwerg: Er vertraut mir nur nicht mehr, seit unserem ersten Kampf im Januar. Dieses Vertrauen müssen wir sorgfältig wieder aufbauen.
Seit wir noch einmal aneinandergeraten sind, weil eine Gittertür nicht richtig zu war, vertraut der Kleine mir noch weniger. Jetzt müssen die Holztüren zu sein, weil Toby schon auf mich losgehen will, wenn er mich nur durchs Gitter sieht. Mehr als 4 Monate Training waren auf einmal für die Katz … Vorher konnten wir schon Nase an Nase als Fast-Freunde am Trenngitter liegen. Also alles auf Anfang, wieder von vorn. So haben wir weiter geübt:
Es ist alles nicht so einfach. Herrchen sollte mithelfen, sollte mich im Körbchen mit Leckerlis bei Laune halten, wenn der Kleine geübt hat, oder auch mal Toby im Körbchen halten, wenn ich mit dem Ball spielen durfte. Herrchen war genervt, und er hat auch den Dreh mit der sekundengenauen Belohnung nicht raus. Darum bekomme ich jetzt neben dem Körbchen meine Schleckmatte. Damit bin ich beschäftigt und ruhig, während Toby auf der anderen Seite vom Gitter übt – inzwischen eher mit Leckerlis: mich ansehen, warten, Belohnung kommt. Auch mal mich länger ansehen. Oder kürzer. So, dass er nicht vorhersehen kann, wann es das Stückchen Entenbrust gibt. Am Ende bekommt er dann doch noch sein Bällchen. Einmal, kurz. Das mehrfache Ballwerfen hat ihn zu sehr aufgeregt, da konnte er am Gitter nicht ruhig sein. „Man wächst mit seinen Aufgaben …“, sagt Frauchen. Unser Training dauert und macht Mühe. Wenn einmal etwas fest im Hundehirn sitzt, bekommt man es nur ganz schwer wieder raus. Wir wissen nicht, warum Toby so heftig reagiert. Ich war doch nie böse zu ihm, hab mich nur gewehrt. Vielleicht ist ihm in der Zeit, bevor er zu uns kam, mal was Böses passiert, das ihn in seinem Köpfchen kitzelt („triggert“) … Es wird sich lohnen, dem Kleinen mit Geduld ein sicheres Fundament zu bauen, mit dem er mir irgendwann wieder vertraut. Ich hoffe nur, dass es nicht genauso läuft wie mit Julius, meinem Spitz-Freund im Park: Als Julius klein war, waren wir Freunde. Dann kam seine Pubertät, er ging auf mich los, und er wollte nie wieder mein Freund sein. So was ist echt traurig!
Benjie, dem niemand weismachen kann, dass sich ein Hund mit Maulkorb frei fühlt |
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Wohl von Mensch, Tier und
Umwelt nach
der Lehre von Dr. Edward Bach |
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Ich bin Benjie. Wo ich aufgewachsen bin, hieß ich Charmeur Ben. Charmeur – klar, weil ich einer bin. Und ein Franzose bin ich auch, meine Rasse jedenfalls: Petit Basset Griffon Vendéen. Also kein Bearded Collie, wie meine Vorgänger. Ich guck nur so ähnlich. Und bin pflegeleichter als die großen netten Wuschels, deren Fell durch falsches Züchten immer mehr geworden ist. 4 Bearded Collies haben hier gewohnt. Einen hab ich noch gekannt, Monty. Dann sollte Schluss sein mit viel Fell. Mein Frauchen hat die Beardie-Webseiten gemacht. Ihr Name ist Liesel Baumgart. Mein Blog müsste also eigentlich BBB heißen – Benjie Baumgart Blog. 2 Bs reichen. In unserem Zuhause werde ich oft „du Kasper“ genannt. Weil ich meistens lustig bin. Ich hab aber auch eine ganz empfindsame Seele … Ich bin hier Hund Nummer 9, seit 1989 der 9. Hund. Oft waren meine Vorgänger zu mehreren: zu zweit, zu dritt, eine Weile sogar zu fünft. Weil ich nicht allein bleiben sollte, kam im Frühjahr 2025 Toby zu uns: 4 Monate jung, klein, aber ein ganzer Kerl. Wir fanden ihn zufällig im Tierheim, eigentlich kommt er wohl aus Rumänien. Sofort haben wir uns damals gut verstanden, darum durfte doch noch mal ein Hund mit viel Fell bei uns einziehen. In Toby stecken Malteser, Shih Tzu, Pekingese, Magyar Vizsla, Maremmano und noch 6 andere Rassen. 1 Jahr lang waren wir die besten Freunde, dann hat er mich beim übermütigen Spiel auf einmal angegriffen, und ich musste mich wehren. Seitdem werden wir in unserem Haus getrennt. Toby vertraut mir nicht mehr und will mich immer beißen. Darum vertraue ich ihm auch nicht mehr. Mit Einfühlungsvermögen und Verständnis (Pubertät, Hormone …) arbeiten wir daran, dass das wieder besser wird. „Wenn Hunde reden könnten“, so hieß 1996 Frauchens erstes Buch. Liebe Menschen, die sich in Tiere einfühlen können, mögen es, wenn Hunde „reden“. Auch wenn Hunde mit ihren Gedanken reden, telepathisch. Das geht! Darum schließt sich hier der Kreis, wenn ich rede – oder schreibe.
Benjie, der von Herz zu Herz mit seinem Frauchen spricht |
Benjie
Toby |
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